DAS HERBSTMANÖVER vom 11. Oktober

HerbstmanöverManöver sind ja Übungen, in denen man sich gegenüber einem angenommenen Feind sehr flexibel in Strategie und Taktik zeigen muss. Das Herbstmanöver der BLOGSPORTGRUPPE hatte heuer vor allem zwei Feinde: die Überwindung der Bettschwere und den Wind. Was die Überwindung der Bettschwere angeht: da hatte der Auslober des Herbstmanövers beschissene Karten. Da er sich erst gegen drei Uhr in der Frühe Nachtruhe verordnete,  weil er nächtens Geld für einen weiteren Laufradsatz verdienen wollte, schien die Startzeit in Gefahr. Aber gut, dass es Freunde gibt, die in wohlmeinender Absicht das Telefon nutzen, um auf dezente Art anzuzeigen: Hallo Ritzel schläfst Du noch, oder suchst Du gerade Deine Überschuhe…? Beides war nicht der Fall. Immerhin war ich 10:30 schon aus dem Koma erwacht und nahm mein Umfeld verschwommen wahr. Frau und Kind hatten sich bereits auf den Weg zu einem Brunch am Rande des Erzgebirges gemacht und ich hatte „sturmfrei“ , eigentlich wunderbare Rahmenbedingungen für einen schönen Pyjama-Sonntag. Wäre da nicht das schlechte Gewissen, denn mindestens 3 BLOGGER hatten schon am Vortag ihre Bereitschaft gepostet, und die Einberufung zum Manöver patriotisch ernst genommen. Zwei weitere potenzielle Kandidaten hatten Fieber  und sich  zum Klassenfeind auf´s  Sofa verabschiedet (gute Besserung!). Nun, das immer schlechter werdende Gewissen und damit verbunden die reale Einschätzung, dass ich die notwendigen Handlungen vor dem Start einer zunächst auf 130km orientierten Runde nicht ohne einige notwendige Rituale, als da sind: Klamotten kombinieren,  Nahrungsaufnahme sichern, der Pavoni einen Espresso entlocken,  Riegel suchen, Tamgotchi programmieren, die sch…SD-Karte für die Kamera suchen (ach ja, die steckt ja noch am Netbook…) also all´die sinnvollen Handlungen, die bei strukturierten Persönlichkeiten am Vortag erledigt werden, sollten nun in 30 Minuten abgehakt sein. Unmöglich! Ich griff zum Telefon und offenbarte mich Ralf  Izoard, der als pünktlicher Vertreter am Treffpunkt, den Vorschlag machte, mit Wolle und Wiesel so lange im Uhrzeigersinn um den Markkleeberger See fahren zu wollen, bis wir uns denn treffen. Ich solle ganz in Ruhe meine Startvorbereitungen zu einem guten Ende bringen. Gesagt, getan. Mit fast zwanzig Minuten Verspätung traf ich dann,  am See gegen den Uhrzeigersinn fahrend,  auf die Radsportsoldaten Ralf Izoard und Norbert Wieselflink. Beide salutierten in fröhlicher Erwartung und es konnte nun also losgehen. Nach ganz kurzer Verständigung über die Strategie und Taktik des geplanten Manövers, peilten wir via Oelzschau, Otterwisch und Kleinbardau erst  einmal das Muldental an. Bis dahin war eigentlich noch relativ klar, dass Wermsdorf über die Südflanke aus dem Obstland heraus erobert werden sollte. Doch kurz vor Kössern entschieden wir uns zu einer anderen Taktik: Wermsdorf wurde aufgegeben und  über Leipnitz sollten nun einige Haken im Muldental geschlagen werden.  Das gut laufende Gebläse im Rücken und Ralfs Worte im Ohr: …jeder geschenkte Kilometer wird bitter zurückerobert werden müssen…(sinngemäß) veranlassten zu einer kurzweiligen Zick-Zack-Fahrt über Zeunitz, Schkortitz, Kaditzsch, Neunitz, Döben hinunter nach Bahren. Die traditionelle Radsport-Klause am dortigen Trakehner-Gestüt, schon öfter beliebter Haltepunkt von BLOGSPORT-Ausfahrten, offerierte dem ausgehungerten  Manöversoldaten Soljanka, heiße Schokolade, Kaffe und Bier! Nach guten Gesprächen über Gott und die Welt (schön, dass wir nicht nur die „Zweiradsprache“ fließend sprechen) ging es dann von Bahren unter der Autobahnbrücke durch in Richtung Trebsen. Doch Ralf hatte noch eine Idee: Lasst uns in Wednig mal links abbiegen! Warum nicht. Norbert wollte ja seinem gerade aufgebauten Querrad auf der Jungfernfahrt auch mal ein bisschen Crossfeeling gönnen und Ralf sucht in der Pampa nach einem Kurs für eine Querfeldein-Qualifikation. Gut: Ralf hat den Kurs nicht (wieder)gefunden und wir Drei hatten das Vergnügen nach 400m passablen Waldwegen auf einen alten asphaltierten Wirtschaftsweg zu stoßen, der uns über 1a Manövergebiet – offensichtlich war mal der Russe hier- hinunter an die A14  brachte und von da durch einen mittelhohen Mischwald zur  B 107. Dort angekommen setzte, gottlob nur  für fünf Minuten, dünner Nieselregen ein, der uns aber doch motivieren sollte, die Leipziger Tieflandsbucht auf direktem Wege anzupeilen. Also flottes Pedalieren im Gegenwind, teilweise auf der „NSC-Frühjahresteststrecke“ über Böhlen, Beiersdorf und Klinga nach Ammelshain. Der Rest war Routine. Nach 100 trockenen, windigen, in kleinen Zwischenräumen auch sonnigen Kilometern verabschiedete  sich Ralf in Holzhausen in Richtung Heimat und Norbert nahm in Probstheida den Highway über die Prager Straße in Richtung City. Der Berichterstatter von der Manöverfront peilte ebenfalls den heimatlichen Unterstand an, gönnte dem Schutzblechrad nach der Shampoonierung noch eine lauwarme Dusche und sich selbst ein dickes Marmeladenbrot und einen ganz großen Espresso…

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6 Antworten zu DAS HERBSTMANÖVER vom 11. Oktober

  1. Sebastian schreibt:

    Hallo Gerald,
    dein Fahrbericht ist wieder sehr unterhaltsam…
    Ich habe als Frühaufsteher und Velosolist ebendiesen Sonntag eine Südwestschleife gedreht und in Anbetracht meines Erholungsurlaubes (EU!) eine erste Pause am See südlich Groitzsch eingelegt mit hervorragenden Saisonalgebäck (Pflaumenkuchen) und weiter hinein ins Thüringische, Wintersdorf ist asphaltiert, Altenburg rechts liegen lassend, hinein ins Kohrener Land (schön, schön!) zur Burgeroberung Gnandstein. Stracks über Streitwald, Frohburg, Prießnitz (guter Gasthof, Ukrainersüppchen suberb) und in Naunhof den Nachmittagskuchen für die ganze Familie im Bahnhofskaffee erworben. Alles Fahren und Reiten ohne Karte, es halfen ab und an die Wegweisungen und Übersichtskarten der lokalen Tourismusbeauftragten.
    Leider ist bei diesem Ritt auf Pinarello der Hinterradlappen mit Leipzig 2012 weggeflogen. Da wird es dann wohl nichts mit den Olympischen Spielen.

  2. Kantenwind schreibt:

    Bei Dir muss man eigentlich gar nicht mehr mitfahren, die Berichte bringen das so plastisch rüber als wäre man dabei gewesen

  3. ritzelconnection schreibt:

    Na, Pantino hat wohl dann doch gezögert – oder hat die Mutti Dich nicht ziehen lassen…Grüß die Elke mal!

  4. ritzelconnection schreibt:

    …wenn die Straßen nass sind, wird gefahren – nur von oben sollte es halbwegs trocken bleiben…wir werden ja sehen 😉

  5. Pantino schreibt:

    Moin Ritzel, gibt es auch eine „Schlechtwetter“-Variante ?? Wenn es von oben trocken bleibt, bin ich dabei.

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