Die „offiziellen“ letzten Einhundert

Nachdem ein Vorauskommando schon  am zweiten Weihnachtsfeiertag, die Bastion „Gasthof Tautendorf“ erstürmt hatte, an dieser Stelle nun ein Bericht des Volkskorrespondenten Ralf Kügler zur offiziellen Auslobung und Durchführung der „letzten Einhundert Zweitausendundneun“:

Die letzten einhundert 2009 sollten es werden und wurden es auch. Wie in dieser Jahreszeit nicht anders zu erwarten, empfingen die Radsoldaten Temperaturen um den Gefrierpunkt. Schon bei der Fahrt zum Start zeigte die Straße sich von ihrer glatten Seite, wobei nicht die fehlenden Schlaglöcher sondern eine gleichmäßige Raureifschicht gemeint ist. Am Grupetto-Laden in Wachau trudelten so nach und nach die unverdrossensten Radsportler Leipzigs ein (zwei konnten aus terminlichen Gründen nicht dabei sein, absolvierten die Distanz dafür am Vortag).
Alle hatten die Erfahrung mit dem glatten Geläuf gemacht und man diskutierte über die Durchführung der Veranstaltung an sich. Im Fußball heißt das dann „wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes nicht angepfiffen“. Soweit wollten wir aber nicht gehen und einigten uns auf einen Kompromiss: Wir fahren einige Kilometer aus der Stadt; sollten sich die Straßenverhältnisse nicht bessern können wir ja immer noch umkehren. Insgeheim hoffte ich auf Besserung, die Gaststätte in Tautendorf sollten alle kennenlernen.
Vorsichtig, ganz vorsichtig setzte das Feld in Bewegung und wer mal das Gefühl haben wollte auf Asphalt mit durchdrehendem Hinterrad anzutreten – heute würde ihm der Wunsch erfüllt werden. Machte aber keiner. Stattdessen hatte man alle Hände voll zu tun geradeaus zu fahren. Das Gleichgewichtsorgan konnte nur mit einer extra Portion Glukose bei Laune gehalten werden. Die fehlte dann zum Erhalt der Körperwärme und zum Schluss am Vortrieb (alles Frustfaktoren). Mit einer sportlichen Ausfahrt hatte das zum diesem Zeitpunkt nichts zu tun, zumal sich die Kälte zunehmend auf den Thermorezeptoren der Haut (die Kleidung war zu diesem Zeitpunkt schon kein Hindernis mehr) breit machte. Um wärmer zu werden müsste man schneller fahren, fuhr man schneller, würde die Physik uns schnell in ihre Schranken weisen. Ein zu diesem Zeitpunkt unlösbarer Konflikt. Von radsportlichem Genuss konnte keine Rede sein. Auch der Verfasser machte sich so seine Gedanken im Interesse der Sicherheit aller die Grenzen der Durchführbarkeit anzuerkennen. Es liegt eben nicht alles in der Macht des Menschen (obwohl wir uns das auf einem schmalen Grat der Wirklichkeit einbilden). In Oelzschau gab es dann eine spontane Feldertrennung, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Sportler Rechnung trug. Und wie jeder so seinen Gedanken über Sinn und Unsinn des momentanen Tuns nachhing erbarmte sich die zwar zurzeit nicht so weit aufsteigende Sonne unser und trocknete die Straßen zunehmend ab. Ein kleines Achtungszeichen gab es noch mal auf der Abfahrt nach Großbothen, doch die wurde von den verbleibenden Akteuren bravourös gemeistert. Ab da konnte man wieder von einer normalen Radausfahrt im Winter sprechen. Ein paar kleine Wellen nach Tautendorf und schon war das Eiland erreicht. Im Gasthaus empfing die Pedalritter eine gesonderte Tafel und sie setzten sich in selbige Runde. Einige Gedecke blieben leer…, doch das der Stimmung keinen Abbruch, 3 verschiedene Sorten Nudeln, Getränke und weil`s so schön war wurde die Kaffeepause gleich mit integriert. Ausgestattet mit wohliger Wärme und einem gewissen Völlegefühl machten wir uns auf den Rückweg, der zwar nun trockene Straßen bot, aber der Rückenwind der Hintour hatte seine Richtung nicht geändert. Mit kollektivem Sportsgeist brachten wir alle Protagonisten wieder an den Ausgangspunkt. In diesem Sinne wünschen wir allen Radsportlern einen guten Rutsch. (klingt jetzt och irgendwie komisch)

Ralf Kügler

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2 Antworten zu Die „offiziellen“ letzten Einhundert

  1. ritzelconnection schreibt:

    Salut Myriam, was treibt Dich denn nach Tautendorf ?

  2. Myriam Enke schreibt:

    Klasse, dass das hier mal thematisiert wird. Sicherlich richtig, an der Sache solltet Ihr dranbleiben. Ich kann mich erinnern, dass ich vor ein paar Tagen an anderer Stelle zum gleichen Thema etwas gelesen habe.

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