von Rollmöpsen und Fahrradlyrik

Wenn die Blogsportgruppe nicht gerade Wanderungen im Tiefschnee veranstaltet, auf Brettern in ausgekohlten Erholungslandschaften umher rutscht, oder den Rollmops in Spinningmanier gibt, wird schon mal zur Feder gegriffen und es entstehen Verse von anheimelnder  Schönheit. Sie künden von Leid und Freud´ und zeugen von Verzweiflung, Zuversicht und Spott. Gleichzeitig bilden die Verse auch eine Verbundenheit der Blogsportler ab, die sich, über ihre Tastaturen kommunizierend, die Zeit bis zum Ausschlagen des Thermometers in den positiven Bereich, vertreiben. Hier folgt nun ein kurzes Versgefecht der letzten Tage und Wochen. Begonnen hatte IZOARD mit seinen Gedanken zur Eis- und Urzeit:

*Ehemalige Helden*

Zieht das Celsius sich zusamm?,
Händ` und Füße werden klamm,
der Fahrtwind lässt Dich fast erstarren,
trotzdem trittst Du Deinen Karren

Deine Frau fragt Dich verstört:
„Minusgrade?!“ „Nie gehört!“
Schweigend sieht sie es mit an:
„Ach was hab` ich für `nen Mann.“

Was treibt uns denn? Was ist es nur?
Warum immer die Tortur?
Kannst`s nicht erklären, weißt es nicht.
Warum übst Du mal nicht Verzicht?

Vor vielen Nächten, vielen Tagen
waren wir das Mammut jagen.
Zu jedem Wetter, jeder Zeit,
waren wir zum Sprung bereit.

Mammuts gibt es heut` nicht mehr,
drum stürzt Du Dich in den Verkehr.
Wieder zu Haus, kannst Du nicht mehr.
Und Deine Frau sagt:“ Hier, verzehr!“

…worauf der KRANZABZIEHER konterte:

Allein die Aussicht auf eitel Sonne
lässt uns die tristen Tage dulden.
Bald, liebe Freunde, welch große Wonne
radeln wir durch Sermuth bei den Mulden.
Warten steigert das Verlangen!

und ich anmerken musste:

…auch diese Sequenz blieb nicht unbeantwortet und fand prompte Erwiderung in IZOARD´s vorläufigem Abschlußpoem:

Es ist Ersatz, was wir jetzt treiben
nur um ettwas fit zu bleiben,
laufen wir Ski und fahren Bob,
reden uns ein: Das war heut Topp.
Heucheln dann zu Frost und Schnee:
Ihr seid hier – ist schon ok
und schleimen dann zum Minusgrad:
„Es geht ja auch mal ohne Rad.“
Doch insgeheim, ich sag Euch was:
Da gärt bedingungslos der Hass.
Du sitzt im Sessel und Dein Bein,
das kurbelt schon von ganz allein.
die andern gucken Sprungtournee,
Du sitzt daneben, Dir tut`s weh.
Der Hometrainer hat Hochsaison,
Du fantasierst- und fährst davon.
In Deinen Träumen, wie in Trance,
träumst Du von Lance und Tour de France.
40 Grad bei der „Down Under“
bringen Dich vollends durcheinander.
Nicht mehr lang, in „ein paar Wochen“
kommt der Frühling angekrochen.
Auch wenn Du schreist: „warum nicht jetz“-
Es ist ein Naturgesetz.

Haltet aus.

In diesem Sinne liebe Freunde, nur Mut. Nächste Woche soll es wieder schneien und wir können in Wehmut weiter dichten…oder dem Winter trotzen, wie Manfred Poser: hier ein Zitat aus Posers Prosa:

„…Aber ich finde es auch nicht so schlimm, wenn sich andere im Keller Kondition antrainieren für den Frühling. Jeder darf mich überholen; ich fahre in meiner eigenen Klasse. Ich bin meine eigene Liga. Wie ich heute bei Winnie hörte, ist der Boom von Elektrorädern nicht zu bremsen, und es werden wohl bald rüstige Rentner an mir (auf dem Rennrad) am Berg freundlich grüßend vorbeiziehen. Das darf man überhaupt nicht beachten, auch wenn’s schwer fällt. „Kein Ich und keinen Gegner haben“, sagte im 17. Jahrhundert der japanische Schwertkämpfer Chissai Chozan; du kämpfst nicht gegen dich, du kämpfst nicht gegen andere, du bist auf deinem Weg, der immer der deine ist…“

P.S.: der ganze Text: > klick<

but last not least:

Winterpedression

Wie lange noch die Zeit zum Warten.
Äonen scheints bis wir dann starten,
zu unsrer ersten Radausfahrt.
Wenn dann ein laues Lüftchen geht,
und nicht der Wind den Weg verweht,
sich Radler treffen jederart.

Nur, ach, welch Jammer wenn ich seh‘
die Aussichten auf wetter punkt de,
die sprechen eine andre Sprache
Nicht Lüftchen sondern Sturm und Kälte,
nicht plus sondern minus zehn in Bälde,
das ist die traurige Lage.

Also wieder wird der Keller genutzt.
Statt Ausfahrt wieder das Rad geputzt,
an Stellen, die längst sauber glänzen.
Das dritte mal schon wird zentriert,
wenngleich das Rad längst läuft wie geschmiert
ohne kleinste Differenzen.

Es ist auffällig, Dein Benehmen, sagt die Frau,
und natürlich weiß ich was sie meint genau –
es bleibt mir nicht verborgen.
Nur sind die, die sich jetzt so gebaren
nie wirklich leidenschaftlich Rad gefahren,
und haben eben nicht diese Sorgen.

Der geneigte Leser dieser Zeilen längst
auf einen positiven Abschied drängt,
so wie es in Gedichten oft empfohlen.
Doch wer glaubt, das nun am Ende
sich das Geschreib zum Guten wende,
der bleibe mir gestohlen.

Es verbleibt in tiefster Depression,
Euer Kranzabzieher

Izoard schrieb darauf:

Mein Beileid, Jörg.

Ich glaub Dir die Gedanken schon,
es ist doch wirklich schon der Hohn,
glaub`mir,  das Depressionsgekränkel,
ist Kraft aus Deinem Oberschenkel.

Drückst Du sie nicht in Dein Pedal,
wird`s weiter oben eine Qual.
Das ist auch so mit and`ren Säften,
wenn wir sie nicht mit allen Kräften,
in die rechten Bahnen lenken,
hört das Hirn bald auf zu denken.

Je schlechter es jetzt um Dich steht
und Deiner Beine Qualität,
ist trotz der momentanen Qual
umgekehrt proportional. 🙂


UND DAS POETENSEMINAR GEHT WEITER:

Jawohl, ich geb´mir einen Ruck
und verteile meinen Druck
gleichmäßig auf die Langlaufbretter
das Wetter wird ja eh not better (Ritzelconnection)

meine harten hier lesbaren texte,
dabei bekomm ich keine komplexe.
ich fahr trotz schnee mit meinem rad,
es dreht auch mal durch,das hinterrad.
richtig angezogen friere ich nicht,
hoffentlich bleibt der schlauch auch dicht. (Mirage)

ja, nur richtig angezogen
wird dem Wetter jetzt getrotzt
ob in der Loipe oder Stube
ob auf dem Rad oder der Rolle
ob nun in Lycra oder Wolle
der Winter hat uns lieb
und einen langen weißen Bart
bleibt also hart! (Ritzelconnection)

Hier kommt es zu einem poetischen Höhepunkt, eingesandt am 11.02. von IZOARD:

Allen Wettern ward getrotzt,
man hat gejubelt und gemotzt
und mit immer höh`rer Sonne,
sah man ihn mit freud`ger Wonne:

Der Limes, welcher davon zeugt,
dass man sich, ganz tief gebeugt,
in ungezählten Trainingsstunden
auf dem Rad gesundgeschunden.

Er erzählt auch von den Leiden,
welche Deinen Sport begleiten:

Sonne, Schweiß und Gegenwinde,
schabten an der Körperrinde.
An Armen die Insekten klebten –
stumme Zeugen des Erlebten.

Sieht man ihn im Vollkontrast,
der Gegner dann vor Neid erblasst.

Braun und weiß, ganz zweigeteilt,
im Freibad mancher Blick verweilt,
stehst Du da und denkst „Was soll`s?“
Die gucken blöd und Du bist stolz“

Der Laie hat ja keine Kennung,
von solcher Art Pigmententrennung
Und es ist wahrlich kein Witz,
mancher achtet auf den Sitz…

Der Sommer ging, Herbst übersprungen,
seit Wochen nun mit Frost gerungen.
Durchs Gore kein UV gedrungen,
ist der Kontrast fast abgeklungen.

Die kurzen Hosen häng? im Schrank,
das Pigment sagt: „Gott sei Dank!“,
verzieht sich nun in tief`re Schichten
und tut ihn dann schon fast vernichten.

Ein letzter Rest hat durchgehalten
und ließ die Hoffnung nicht erkalten,
der Sonnenstrahl wird ihn gestalten
der Sommer soll halt Recht behalten.

Eine Linie muss es sein,
am Oberarm und auch am Bein.
In Radsportkreisen gut bekannt –
der allerseits beliebte Rand.



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