Gut Ei und Kickeriki

mit den Symbolen des Sommergewinns, dem Hahn als Verkünder des Lichtes und des Tagesbeginns, dem mit Binsen verzierten Ei als Symbol der Fruchtbarkeit und der  Brezel als Symbol der Unendlichkeit im Wechsel der Jahreszeiten wird in meiner Heimatstadt Eisenach seit 1704 alljährlich der Sommergewinn gefeiert. „Gut Ei und Kikeriki“ so schallt es dann auch durch die Eisenacher Straßen und Gassen wenn eine Woche vor dem kalendarischen Frühlingsbeginn symbolisch der Winter vertrieben wird. Der traditionelle Festumzug lockte wieder viele Menschen an die Straßenränder und mit der Family standen wir dann auch im eisigen Nordostwind bei gefühlten -2 Grad und ließen die zahlreichen frühlingshaft geschmückten Wagen an uns vorüberziehen.Der Brauch will es, dass später auf dem Eisenacher Markt in einem finalen Streitgespräch zwischen Frau Sunna und Herrn Winter derselbe in die Knie gezwungen wird. In diesem Jahr wurde das Streitgespräch sicher mit besonderer Spannung erwartet, hatte doch Väterchen Frost am Vortag noch mal ordentlich Schnee im Gepäck. Frau Sunna ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und ging dem Brauchtum entsprechend als Siegerin aus dem Rededuell hervor und der frostige Alte wurde anschließend  symbolisch in Gestalt einer Strohpuppe verbrannt. So endete das jährliche Ritual auch heuer wieder mit der sinnstiftenden Niederlage des Winters.

Zu lesen war, dass in diesem Jahr der uralte Brauch des Feuerradrollens erstmalig wieder ins Programm genommen wurde.  Als Germanen verkleidete Eingeborene sollen einen Tag nach dem Festumzug  ein großes, brennendes Rad von einem Hügel herab rollen. Das Rad symbolisiert die Sonne, die nach dem kalten Winter Licht und Wärme zurück bringen soll. Als das Feuerrad in Eisenach talwärts rollte, saß ich allerdings schon wieder im Sattel und drehte bei sagenhaften 6 Grad +(!) eine 70 Kilomterschleife am Rand der Leipziger Tieflandsbucht. Allerdings wiederfuhr mir hier ein Fehler, den sonst nur Rennradanfänger machen: ich fuhr, nein flog, mit dem teilweise sturmartigen Wind im Rücken durch die noch graue, keineswegs frühlingshafte Landschaft und hatte später tüchtig zu tun auf dem Nachhauseweg das Vorderrad einigermaßen gerade im Wind zu halten. Normal ist, im Gegenwind hinaus zu fahren und mit dem Wind retour ! Doch auf den letzten Kilometern gesellte sich noch ein netter RRadler aus Markkleeberg (Ronald Wehner) zu mir und wir kämpften uns gemeinsam nach Hause. Mit einem misstrauischen Blick zum nachmittäglichen Himmel beendete ich meine Sonntagseinheit und erinnerte mich an einen Sommergewinn in den siebziger Jahren, als es beim Streitgespräch anfing zu schneien…:-)

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3 Antworten zu Gut Ei und Kickeriki

  1. Pingback: Sommergewinn reloaded… | Das Ausfallende

  2. ritzelconnection schreibt:

    …wir sollten also beide an unseren Trainingsstrategien arbeiten 🙂

  3. Sven schreibt:

    Den Fehler mach ich auch zu gern, erst heute wieder. Erst 3000 gefühlte hm bergab und dann wieder rauf. Schön wars – auch ohne Berg – trotzdem.

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