VINETA !!

::
Der Sage nach ist Vineta bei einem Sturmhochwasser untergegangen. Grund sei der moralische Verfall der Stadt, der „Hochmut und die Verschwendung der Bewohner“ gewesen. Dabei gab es eine Warnung: Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der Stadt erschien sie über dem Meer mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde. Die Ältesten rieten allen Leuten daraufhin, die Stadt zu verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum. Niemand beachtete auch die allerletzte Warnung: Einige Wochen später tauchte eine Wasserfrau dicht vor der Stadt aus dem Meer und rief dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme:

„Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall untergahn, wieldeß se het väl Böses dahn“
„Vineta, Vineta, du reiche Stadt, Vineta soll untergehn, weil sie viel Böses getan hat.“

Noch heute sollen Glocken aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.

Glockengeläut hat das Blogsportquartett nicht vernommen, als es sich über verschlungene Wege in der konterminierten Landschaft einen Weg suchte und plötzlich vor der Kirche der versunkenen Gemeinden stand, die der Gier nach dem „braunen Gold“ in den 70er Jahren des vorigen Jahunderts südlich von Leipzig weichen mussten.

Klartext liefert die Erklärung der Initiatoren:
Seit vielen Jahren bemühen sich die Künstlerinitiative „KUNST STATT KOHLE“ und die Gemeinde Großpösna erfolgreich um die Umsetzung zahlreicher Land-Art-Projekte am zukünftigen Störmthaler See, dem ehemaligen Tagebau Espenhain.Grundidee ist, den zukünftigen Rundweg um das Gewässer mit festen Punkten zu versehen, die zum Verweilen, zum Nachdenken, zum Spielen anregen und als „Marksteine“ in der Landschaft dienen. Erreicht wird durch dieses Projekt eine auf ganz unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen basierende Ästhetisierung des Raumes.Bereits entstanden sind die „Versteinerte Zeit“ von Heinke Binder und der „Butterfly“ von Rainer Strege.

Nach der Sage ist die Stadt Vineta wegen ihrer überbordenden Pracht und Prunksucht in einer großen, als Gottesurteil bezeichneten Flut in der Ostsee untergegangen.
Übertragen auf das Projekt heißt das, VINETA will mahnen und erinnern an die großen materiellen und ideellen Verluste, die der ungeheuren Energieverschwendung der Menschheit geschuldet sind.Bei der Installation handelt es sich um den künstlerisch überformten Nachbau der ehemaligen Kirche von Magdeborn, die, wenn der Wasserstand es zuläßt, auf einem Ponton schwimmend, an die dem Tagebau zum Opfer gefallenen Siedlungen erinnert. Das Bauwerk wird ein weithin sichtbares Zeichen und gestaltendes Element auf dem zukünftigen See sein. VINETA verfolgt aber auch über die Dimension der Erinnerung hinaus einen weiteren gedanklichen Ansatz. Der in dem Kirchengebäude integrierte Versammlungsraum wird als sogenannter Niedrigstenergieraum erstellt, d. h. die Erwärmung der Räumlichkeit ist ausschließlich der spezifischen Bauweise und der Verwendung von Solarenergie geschuldet.

Dieser modellhafte Energiespar-Raum will die Brücke schlagen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Einsicht in das Geschehene und der konsequente Einsatz ressourcensparender Technologien soll und wird weitere „Magdeborns“ verhindern. Das Vorhaben hat mittlerweile durch die Vielschichtigkeit seiner Botschaften und die Einbeziehung einer ganzen Reihe engagierter öffentlicher und privater Förderer eine ganz herausragende Bedeutung gewonnen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Startseite veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s