IM WESTEN NICHTS NEUES

In meinen Erinnerungen gibt es keine Nische in der sich derart triste Bilder einer Ausfahrt versteckt halten. Selbst längeres Nachdenken bringt da nichts. Noch nie hat sich der Blogsportkader, bei lausigen Temperaturen, Nebel und eisigen Winden freiwillig in die westliche Tristesse der novemberlichen Tieflandsbucht aufgemacht. Vielleicht hat uns Übermut geritten und die Verlockung eines mit Shamrock gekrönten Guinness die letzten Vernunftzellen gelöscht oder ach was weiß ich…Jedenfalls stand ein ordentlich gezapftes Guinness am Beginn des weltweit ausgeschriebenen Giros, serviert in der wohligen Wärme des wohl besten Leipziger Pubs, dem Killiwilly. Und während sich die Bierstube langsam mit ausgeschlafenen Gästen füllte, nahm unsere Motivation nach und nach ab. Irgendwie, ferngesteuert, wurde dann doch aufgesattelt. Da der Parcours aus wichtigen Gründen geändert werden musste, startete das Trio (Ron Ronsen, Jörg & myself) zum blinde Date in Richtung Westen. Schon die Passage durch die Grünauer WBS 70 Ausstellung  und das sich anschließende schnurgerade Asphaltband in Richtung Lützen produzierte verschwommene Bilder einer unglaublichen Tristesse. Um im eisigen Nebel nicht den Verstand zu verlieren, pflegten wir anfangs noch die Plauderei, machten uns gegenseitig Mut und suchten Trost in der Tatsache, dass wir in diesem Teil der Welt gottlob nicht siedeln müssen. Später reduzierten sich die Gespräche. Das Pedalieren wurde zu einer stummen Fahrt ins Grau, manchmal durch einen Richtungsaufruf unterbrochen: vorne links !! oder gerade aus! Wie wir so durch den Nebel navigieren, fangen die Enden von Armen und Beinen langsam an, sich in kalte Schläuche zu verwandeln. Das sind Momente, wo sich eine Reifenpanne ganz besonders gut macht und die steifgefrorenen Daumen den Mantel nicht mehr aus dem Felgenbett drücken können. Momente, wo man(n) sich am liebsten auf die Finger pinkeln möchte, so wie ein Bernard Hinault im Schneesturm von Lüttich-Bastogne-Lüttich im Jahr 1980. Gut, dass uns Schaden erspart blieb! Ab Schkeuditz, auf dem Radweg parallel zur B181, fange ich an im sich langsam verdunkelnden Spätnachmittaghimmel Shamrocks zu sehen, erst ganz klein – später immer größer werdend…Es ist das letzte verzweifelte aufbäumen eines unterzuckerten, geschundenen und ausgekühlten Körpers. Wahnvorstellungen setzen ein. Der starre Blick auf den Lenker sieht eine verschwommene Zahl irgendwo zwischen 70 und 80 Kilometer. Langsam tauchen die ersten Straßenlaternen der geliebten Heimat auf und die letzte Konzentration gilt dem fließenden Verkehr. Jetzt bloß nicht straucheln! Und endlich: ich werde im kaminbeheizten Killiwilly- Separée, dort wo sich die Verstoßenen und Ausgesetzten alle möglichen Drogen zuführen, wach. Der Spaß hat sein verdientes Ende gefunden, langsam durchströmt wieder wohlige Wärme den Körper. Der Distanzzähler war bei 87 Kilometern stehengeblieben. Endlich taucht ein wahrhaftiges Shamrock auf! Aber nur kurz, dann klingen die Pintgläser, es folgt ein vielsagender Blickwechsel zwischen Jörg und mir und wir können uns das Shamrock von den Lippen wischen. Die Tristesse ist vorbei. Und es gibt noch eine geniale Radiomeldung dazu: Black Sabbath kehren zurück auf die Bühne und zwar in Originalbesetzung mit Ozzy Osbourne!

P.S.: Vielen Dank an Jörg für das liebevoll komponierte GUINNESS-Rad. Ich musste allerdings mit Shamrock-Laufrädern nachrüsten und noch ein bisschen was drumherum basteln 😉

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3 Antworten zu IM WESTEN NICHTS NEUES

  1. ron schreibt:

    wir sollten doch mp3 player mitnehmen und solch herrlichen rock hören. halt da kommen ja auch keine gesräche zustande.ergo bsg party mit dem motto Black Sabbath.

  2. ritzelconnection schreibt:

    Hallo Jens, schön von Dir zu lesen! …muss ich gleich suchen und austauschen 🙂 Recht hast Du…. Danke! Salut und Kette rechts! http://www.ritzelconnection.wordpress.com

  3. Jens schreibt:

    Hallo Sportfreunde!
    Leider war ich an diesem Tag gezwungen, mich um die „Generation 70+“ zu kümmern.
    Eine Frage aber bleibt.
    Hätte es „Iron Man“ von Black Sabbath nicht besser getroffen?
    Gruß, Jens

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