hell on earth…

Das AUSFALLENDE  hat die Tortour im Wagen begleitet und kommt nun mit einem Kurzbericht schon fast zu spät, denn vieles ist im befreundeten Bubi-Presseorgan unter der Headline FEGEFEUER“  schon meisterlich berichtet und bebildert worden. Der Kreuzbube hat ein  illustriertes Roadbook verfasst und das Unterwegsgeschehen so plastisch werden lassen, dass mir auch als passiven Mitfahrer beim lesen die Handgelenke brannten. Man nennt es wohl Phantomschmerz. Dieser seltsam spröde Landstrich mit den vielen Steinen, aufgehäuft zu majestätischen Wehrkirchen, Türmen und trutzigen Unterkünften, hingestreut zu Straßen, oder besser Wegebefestigungen, zog mich in seinen Bann und ließ mich immer öfter vergessen, den Helden der Landstraße zu folgen. Manche Orte schienen tatsächlich entvölkert, wäre da nicht der Bäcker, der doch noch geöffnet hat, oder die Schenke am Wegesrand, wo der Einheimische Trost bei einem Sturzen Grubenschnaps und Bier findet. In Löbejün tastete das Objektiv meiner Kamera zwischen den Steinhäusern nach menschlichen Zeugen, die ich als  Beweis für die Siedlungswilligkeit einer robusten Bevölkerung ablichten wollte. Nichts. Und dann, gefühlte Stunden später, zog eine kleine Schar von Rentenempfängern eine Gasse hoch. Keiner unter 70.Wäre da nicht das bunte Peloton der von Katzenkopp zu Katzenkopp springenden Radfahrer gewesen, hätte die Sonne nicht gnädig geschienen und die Szenen in ermutigendes Licht getaucht, der Trübsinn hätte mich eingeholt. Hoffe aber trotzdem, dass die Schnappschüsse aus einem anderen Land vielleicht zu einer nächsten Erkundungsfahrt ermutigen. Wo das Pflaster liegt wissen wir jetzt ja.

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10 Antworten zu hell on earth…

  1. justbiking schreibt:

    Ich frage mich gerade, ob es im Epos nicht besser der Schüttelreim getan hätte?

  2. ritzelconnection schreibt:

    …was die Kultur der Ausfahrten betrifft: ich hab’s eben schon im Fléche gepostet: https://picasaweb.google.com/RitzelBILD/AmerikaHimmelfahrt2010?authuser=0&feat=directlink

  3. carodame schreibt:

    J Ö R G !!!!!!
    Das Pflaster hat wunderbare Lyrik aus Dir heraus gerüttelt. Es war der Peterseberg. Was für eine Kulturtruppe die BSG doch ist. Da lässt sich was draus machen…

  4. ritzelconnection schreibt:

    @Jörg: …sach mal, nimmst Du manchmal Drogen ?? So verdichtet sind die Wahrnehmungen… 😉

  5. betaisodona. schreibt:

    das waren schöne stunden mit euch. fein, dass die fotodokumentation so erstklassig funkitoniert hat. herr möritz bietet seine produkte nun auch an. das eine oder andere für meinen pin up kalender 😉 ist auch dabei.

  6. justbiking schreibt:

    Gerald, Vielen Dank für Deine Riesenarbeit. Es ist ein Genuss!

  7. justbiking schreibt:

    Hallisches Epos

    Wer kann schon davon sprechen,
    in der Hölle geweilt zu haben.
    Wo des Teufels glühend Rechen
    Haut und Knochen schaben.

    Wo bar jeder Barmherzigkeit
    zerschlagen wird, was vorher heil.
    Wo kultivierte Menschlichkeit
    zertrümmert wird, durchs Richterbeil.

    Die Männer, wie aus Heldensagen,
    mutig, stolz in voller Pracht,
    laden Rennmaschinen aus dem Wagen.
    Es war in Halle früh um acht.

    Noch lächeln sie, die Kühnen,
    spotten Gott und Beelzebub,
    pedalieren längs der Dühnen
    welche Mansfeld hier vergrub.

    Auch Odysseus, der kühne Recke
    nahm die Götter auf das Horn.
    Dann saß er wimmernd in der Ecke,
    zu grausam war Poseidons Zorn.

    Der Götter Macht ist allerorten
    vielgestalt sind seine Fratzen.
    Sie legen Steine aller Sorten
    euphemistisch nennt man sie Katzen.

    Flacher wird die Brust der Helden
    an den steilen Saaleflanken.
    Nur Katzenköpfe, Asphalt selten,
    sie fahren durch der Hölle Schranken.

    Es spritzt Geröll, es splittern Knochen,
    Felgen krachen, Reifen bluten
    Die Hölle, sie beginnt zu kochen
    Der Teufel schürt die Feuergluten.

    ‚Nie wieder‘, schreit der Held mit Mühn
    ‚werd ich mich über dich erheben‘.
    Das war an der Wand von Löbejün,
    mehr tot als noch am Leben.

    Der Herr indes lässt es weiter krachen,
    sendet Steine, Felsen, Brocken,
    ‚Jene Geschöpfe, die mich verlachen
    hören stets die Todesglocken‘.

    Der Seele beraubt, rüttelt der Held
    auf den Tempelberg zu Halle.
    demütig blickt er von hier auf die Welt,
    und tut einsam Buse in einem Stalle.

    Jetzt ist er geläutert und auch gereift,
    und plötzlich läuft es auch besser,
    Die Hölle ist endlich durchstreift,
    schon sieht er das Saalegewässer.

    Dem Finale nähert sich der Held geschunden,
    die Gelenke kaum noch etwas taugen,
    Auch sein Fahrrad hat triefende Wunden.
    Er kreuzt das Zielband mit leuchtenden Augen.

  8. carodame schreibt:

    Jaha, lieber Ritzel, unsere Blickwinkel waren(und sind) wohl herkunftsbedingt ähnlich.
    Daher auch das gleiche Eröffnungspic auf unseren Blogs. Nee, aber ich bin ja froh, dass auch meine Fotos bisweilen ganz gut geworden sind(die neue Linse!). Ich hoffe nur, wir stehlen dem fleißigen Meister Möritz nicht die show, er muss schließlich seine Brötchen damit verdienen und hat im Vorfeld des ganzen Pflasterhoppings viel gemacht. Das „Muttifoto“ werde ich mir aneignen 😉

  9. ritzelconnection schreibt:

    Liebe Carodame, ich hoffe Du kannst mir nachsehen, dass etliche Pictures von Deiner SD-Card (nach der einseitigen Synchronisation am Altenheim in Löbejün) auf meinem Apfelrechner gelandet sind und ich infolge unserer zweifellos ähnlichen Blickwinkel bei ursprünglich 747 Pics oft keine Trennung in MEIN und DEIN mehr vornehmen konnte. Wenn ich mal gaaaaaanz viel Zeit habe (also nie…) werde ich die Urheberrechte entsprechend vermerken… 😉

  10. carodame schreibt:

    Die Strassen waren auch früher schon leer. Nur die Fronten verfallener und schmutziger und: noch weniger Asphalt.

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