Der Jazz, der Fluch des Pankratius und eine Kannensammlung

Die Ausprägung der meteorologischen Singularitäten hätten uns veranlassen sollen, den Sonntag besser auf dem Sofa zu verbringen… Doch der Reihe nach. Kranzabzieher, Kreuzbube und ich beschliessen, sich  Samstagabend im Cotton Club bei Jazzy Saturday auf ein paar Biere zu verabreden. Die Sternfahrt, gestartet in LöDö, Seifertshain und Connewitz, bringt die Protagonisten trotz widrigster Wetterumstände an einen Tisch im Cotton-Club. Das sitzen drei nasse Hosen, werden darüber aufgeklärt, dass der Jazzy Saturday heute ausfällt. Schön. Wir sind und bleiben, neben einem Tisch gackernder Hühner, die einzigen Gäste, trinken Bier und haben viel zu besprechen. Spät wird’s und final lauschen wir Rolf Zacher’s Fetten Jahren. Im Überschwang der Gefühle stelle ich eine Sonntagsausfahrt in Aussicht. Die wird irgendwann 01:30 Uhr auch noch im Bewegungsmelder gepostet. Nach Colditz soll’s gehen. Ehrenwort. Wir spritzen, wieder im Regen, @home. Nachtruhe. Der Sonntagvormittag ist grau und eiskalt. 10:30 meldet sich Stahlwade am Telefon. Hatte in den Bewegungsmelder geschaut und gibt nun seinen Status bekannt: gerade beim Frühstück, elf Uhr wird knapp. Ich selbst hatte gerade die Pavoni angeworfen und nebenbei in ein Brötchen gebissen. Bin heilfroh  froh, dass es eine weitere Mitfahrbereitschaft gibt, denn Kreuzbube, der Aussenposten in Seifertshain, war sowieso gebongt. Ich fange an, die schon weggeräumten Winterklammotten rauszukramen und kostümiere mich. Mit Stahlwade war noch so was wie ein akademisches Viertel vereinbart. Ich warte bis 11:20 an der CONNSERVE. Keine Meldung, keine Bewegung. Es ist lausig kalt. Ich rolle los. 2km vor Seifertshain bimmelt das Handy in der Triokottasche. Gut, dass ist jetzt sicher Stahlwade, der seine Verspätung bekanntgibt. Is schon o.k.,  er hat ja die Strecke sicher auf dem Lenkertamagotchie. Ich halte also nicht an, Handschuhe aus, Windweste auf, Handy rausnesteln, Brille rauskramen,… und und und. Außerdem verfluche ich gerade die Idee bei gefühlten 0 Grad Kilometer zu fressen. Spanisch ist mir jedoch, dass vom Kreuzbuben weit und breit nichts zu sehen ist. Muss also doch mal anhalten und checken, was ich da ingnoriert hatte. Up’s ein Anruf vom Kreuzbuben! Rufe zurück: Mailbox. Gut, denke ich, man trifft sich sicher unterwegs oder spätestens in Colditz. Dem blühenden Raps, dem satten Grün und der frischen Frühlingsluft kann ich an diesem Sonntag nicht wirklich was abgewinnen und kurbele mit einem rasanten 21,39er „Schnitt“ missmutig weiter südwärts.  Einzig das Motiv der „Auslüftung“, nach der BSG-Sitzung im Cotton-Club, lässt mich weiterrollen. Zwischen Grethen und Großbothen rauscht plötzlich, sehr rasant, sehr motiviert, ein schwarz-weiß -rot Trikot an mir vorbei. Stahlwade hatte mich eingeholt, jubiliert, gestikuliert und schwärmt von diesem tollen frischen Frühlingswetter. Ich teile diese Euphorie nicht. Stattdessen schlage ich vor, die Ausfahrt schon in Zschoches Eiskaffee in Kössern mit Bohnenkaffee und Kuchen zu unterbrechen, um von dort dann die Heimfahrt anzutreten. Meine steif gefrohrenen Finger träumen von einem warmen Wasserstrahl in der Toilette dieser provinziellen Destination, die neben heißem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen auch eine Kaffeekannensammlung beherbergt. Ich bin lustlos, wie selten auf dem Rad. Der Rest ist Routine: Kaffee und Krumbelkuchen bestellen – der berühmte Sägespänekuchen war leider nicht im Angebot. Und natürlich die Kannensammlung bewundern. Die stolze Sammlerin macht uns auf ein Freundschaftskännchen aus Colditzer (!) Steingut aufmerksam. Freundschaft – Друшба steht da auf dem Bauch der Kanne. Passt ja irgendwie. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass der Kreuzbube auf dem Colditzer Markt jegliche Freundschaftsbeweise in Zweifel ziehen musste und unser,  von jeder Vereinbarung abweichendes Tun, nicht so prickelnd fand. Gut, ich gelobe Besserung !! Mit leichtem Ostwind geht’s retour über Kleinbothen, Kloster Nimbschen, Grimma. Meine Beats bleiben im zweistelligen Bereich und touchieren den dreistelligen Bereich nur ein mal kurz, weile mir kurz vor dem Huggel an der Gattersburg ein verblödeter Daimler-Herrenfahrer nicht gestatten will auf den linksseitigen Radweg einzubiegen…Von Hass und Abneigung gegen Daimler-Piloten und deren aufgespritzte Beifahrerinnen getrieben, finde ich wieder das Hinterrad von Stahlwade und wir roulieren über das Rote Vorwerk, vorbei am Naturfreundehaus, via Großsteinberg, Naunhof @home. Also ehrlich: ich fühlte mich zwar ausgelüftet, aber nach den eisigen 80 Kilometern ziemlich derangiert. Bilanz: 80 km, 23,93 Km/h 105er Beat  😉

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