ten years after…

Vor dem Hintergrund der meteorologischen Voraussagungen hatte sich der Vorsitzende für diesen Freitag, dem letzten Urlaubstag, eigentlich „Innendienst“ verordnet. Aber Räder waschen, die Bremsanlage am Stadtrad erneuern, bisschen Papierkram machen, mal schnell ins Fahrradfachgeschäft des Vertrauens fahren und ein neues weißes Sattelsofa ordern, das sind Verrichtungen, die auch weniger tagfüllend zu erledigen sind, wenn das angekündigte Regenband mal eben schneller durch ist und der trockene Asphalt lockt. Der Junior bei einem Kumpel. Keine familiären Verpflichtungen. Alles passend. Von der kürzlichen Stippvisite des Kreuzbuben animiert und der Erprobung des neuen Sofas motiviert, mach‘ ich das frisch gewaschene Schweinchen klar und trödel in Richtung Grimma, um zehn Jahre nach dem Flut-Desaster auch mal die neue Pöppelmann-Brücke zu befahren. Start gegen Drei in Connewitz. Ein Farbfilm ist zu dieser Zeit überflüssig. Grau und dunstig liegt die Landschaft vor mir. Am Aussichtspunkt Störmthal kann ich nur schemenhaft die Kühltürme von Lippendorf ausmachen, spiele etwas an meiner Kamera rum, sehe den Trainingsweltmeister Kelli (Ralf Keller, Anm. der Red.) vorbeischwirren, dreh‘ mir einen Joint und sinniere über den Sommer, dem wohl gerade die Luft ausgeht. Plötzlich ein Farbklecks in der konterminierten Landschaft: der mzJens kommt angekurbelt…Kurze Begrüßung und schon ist er wieder aus meinen Augen, stürzt sich auf dem schmalen Asphaltband den Abraumhang hinunter, wendet am Tiefpunkt, um wenig später mit kraftvollem Tritt wieder hinaufzufahren. Was ist das denn? Ach ja, Training. Wir verfachsimpeln noch ein wenig. Jens fährt weiter Richtung Heimat und ich nehme den kürzesten Weg in Richtung Grimma. In Großbuch und später in Grethen findet gerade das Gegenteil von Investitionsstopp und wirtschaftlicher Krise statt: großzügig werden Straßen aufgebrochen und umgebaut. Mit dem Rad können aber alle ausgewiesenen Umleitungen ignoriert werden, manchmal muss man halt ein Stück schieben. Endlich in Grimma. Mein System sendet zarte Botschaften aus der Abteilung „Energiezufuhr aktivieren“, schliesslich ist das Frühstücksbrötchen schon acht Stunden her und die Tafel Schokolade längst vertilgt. Ich erinnere mich an die „Marktfleischerei Keller“, wo ich schon einmal erfolgreich den Hungerast absägen konnte. Sie liegt in greifbarer Nähe. Ein Mettbrötchen und ein Bohnenkaffee bringen dann die notwendige, gelassene Grundlage, um endlich die Pöppelmann-Brücke in ihrer flutwendialen Renaissance zu bestaunen. Gute Arbeit! Noch ein paar Knipsbilder und die überraschende SMS aus der Heimat: „Vier Fäuste für ein Halleluja“ sind geordert. Nein, lieber Leser, das sind keine Drohgebärden aus dem privaten Umfeld, sondern wichtige Beschaffungen aus einer Videothek, die der bevorstehenden Ausfahrt nach Lommatzsch, wo Terence Hill ein paar Kindertage verbrachte, in medialer Hinsicht dienen. Aber darüber wird in einem späteren Beitrag zu berichten sein.

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