Voici des ailes…*

Eine Hommage aus zufälligem Anlass

Das Fahrrad ist ein Zeichen unseres Strebens nach Vollkommenheit, das jedoch immer begrenzt wird von unserer physischen Realität . Es ist der metallische (oder carbonöse, Anm. der Red.) Abdruck der menschlichen Evolution. Mensch und Fahrrad sind aufeinander bezogen wie die zwei Teile eines Symbols. So kann man sagen, dass der Radfahrer in seiner Haltung den Fötus nachahme; zudem strampelt er noch wie ein Embryo, wenn auch in ordnungsgemäßer Weise…(Elmar Schenkel in „Cyclomanie“ Edition Isele 2008) So weit ein kleiner Schlenker in die Bibliothek des Vorsitzenden, der heuer einem ungeschriebenen Gesetz-der Fahrradweihe-huldigte. Die Fama sagt: ein neues Fahrrad wird Unglück bringen, wenn es nicht im Kreise von Gleichgesonnenen eingeritten und am Ziel des Ausrittes mit Speis und Trank in der realen Welt begrüßt wird. Der Kreis Gleichgesonnener ist schnell ausgemacht: ein Quartett der Blogsportgruppe verabredet sich, enthusiasmiert von den meteorologischen Begleiterscheinungen, auf dem Asphalt des Lebens. Hinfort wird ein Fixpunkt so manch kollektiver Ausfahrt zum Ort der feierlichen Weihe: der Gasthof Tautendorf, der sich oberhalb der Muldeseitentäler zwischen Brösen und Leisnig versteckt. Auf dem Weg dorthin legt das Quartett nach flotter Fahrt noch einen Zwischenstopp auf dem Colditzer Markt ein, stärkt sich mit Bohnenkaffe auf dem Freisitz und nimmt dann entschlossen die letzten Kilometer hoch nach Tautendorf. Dort folgt das Ritual der „Weihe“: Weizenkonsum, umrahmt von kulinarischen Standards und abgeschlossen mit dem traditionellen, hausgemachten, Lukullus der Tautentanten. Vor dem Hort des Genusses pausieren derweil unsere Rösser, dicht aneinander gedrängt. Der frisch geweihte belgische Kandidat wird von seinen amerikanischen und dem italienischen Kollegen begrüßt. Dies geschieht auf subtile Weise, gewissermaßen durch Strahlungsenergie. Ein wichtige Rolle dabei spielt die gegenseitige Verabredung dem jeweiligen Ritter treu zu dienen. Insofern folgen unsere Fahrräder auch einer philosophisch-anthropologische Konstante: sie unterscheiden sich durch ihre Personalität, sie sind so etwas wie die Signatur des homo sapiens auf dieser Erde. Ein Umstand, der durch puristisch daherkommende Velozipeden oft in Abrede gestellt wird. Summary: möge uns der leichte Ritt, begleitet durch gelegentliche Abzweigungen auf philosophische Nebenstraßen, über Höhen und Täler geistiger und körperlicher Ertüchtigung, immer gelingen.

* „Seht, das sind Flügel“ Radroman von Leblanc, ersch. 1898

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3 Antworten zu Voici des ailes…*

  1. Ron schreibt:

    Seufz,ich hoffe ich bin bald wieder bei solch denkwürdigen Anlässen dabei. Ich war heute eine Stunde mit 300 Fischen baden. Die haben erst mal alles ,,alte“ an mir abgefressen. Anschließend gabs ne Kosmetik fürs Face und danach eine Ganzkörpermassage vom Feinsten . Nur schade das,das Kosmetikstudio 916 km von der Heimat entfernt ist. Nun bin ich zwar schöner -;))) aber Rad bin ich keinen Meter Gefahren . Wir sind am arbeiten das sich die Entfernung Gen Null reduziert. Ach ja wo die liebe hinfällt. So Burschens bis bald ! Auf dem Drahtesel !

  2. ritzelconnection schreibt:

    …oh, natürlich der Hinterlauf des Excalibur ist natürlich erwähnenswert :mrgreen: diese Schwingen…

    Ausfallende

  3. justbiking schreibt:

    „So kann man sagen, dass der Radfahrer in seiner Haltung den Fötus nachahme; zudem strampelt er noch wie ein Embryo…“ Darauf muss man erstmal kommen. Und überhaupt, warum war bei Charles Darwin noch nie etwas darüber zu lesen? Den aufrechten Gang gibt es doch schon seit ca.5 Millionen Jahren. Könnte dass möglicherweise bedeuten, dass die Menscheit davor bereits Rad gefahren ist, in Embryonalstellung gekrümmt und stetig strampelnd, da unser Knochenbau dafür ideal gerüstet war? Fragen über Fragen.

    Vielen Dank an den verehrten Vorsitzenden für die gelungene Weihe. Da kann jetzt nichts mehr schief gehen mit dem belgischen Schwert.

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