…greif zur Feder, Kumpel!

… die sozialistische Nationalkultur braucht dich! (Alfred Kurella 1895-1975 auf der Autorentagung im April 1959, der sogenannten „Bitterfelder Konferenz“)

In meiner Verantwortung als Vorsitzender der BSG, als Herausgeber und Redakteur eines der wenigen  Fanzines, die den mitteldeutschen Radsport aus dem Augenwinkel des Kultur- und Lebensstil prägenden Aspekts betrachten, sind kollektive Ausflüge lieb gewordene Pflicht. Und natürlich muss ich zur Feder greifen:  Am zeitigen Sonntag steuert also das Blogsportkollektiv den  nördlichen Rand der Leipziger Tieflandsbucht an. Ziel: Bitterfeld, Sportpark Süd. Das bedeutete: Zeitig aufstehen. Später durchstehen. Und das an einem, rein meteorologisch betrachtet, trüben Tag. Für Menschen mit ostzonalem Migrationshintergrund (und für einen kleinen Teil der westdeutsch zugezogenen Rad-affienen Bevölkerung) ist das kein Problem. Es gibt eine Aufgabe, es gibt einen Aufruf und es gilt die Norm zu erfüllen. Punkt! Carodame (ohne Lipstick on board !!!), Kreuzbube, Kranzabzieher und der Verfasser dieser Zeilen sind bereit.  Nach dem obligaten kollektiven Bohnenkaffee im Sportpark Süd und der schon legendären Startfreigabe durch Peter Wifling, Breitensportfachwart und gute Seele des ESV, kurbelt das Peloton hinaus in die Kulturlandschaft an der Goitzsche. Entspannt plaudernd.  Unter meinen Querfeldeinreifen gleitet die ehemals geschundene und wahrscheinlich noch länger konterminierte Landschaft dahin. Mal ein Stück alter Braunkohlen-Teer-Asphalt, Kies, alte Plattenwege, laubbedeckte Waldpfade und immer mal ein Stück postwendial ausgebauter Radweg. Ein hübsch ausgesuchter Rundkurs, der, hineingegossen in eine wellig modellierte Landschaft, Radbeherrschung, Kraft, Augenmaß und Konzentration fordert. Zur Auswahl steht ein kurzer und ein langer Parcours, der nach Lust, Leidenschaft und Ausdauerpotenzial mehrfach durchfahren werden kann. Hier offenbart sich in praxi allerdings das Dilemma: welchen Zeichen soll ich folgen? Zu viele Zeichen säumen den Weg oder sind auf den Asphalt gepinselt. Intuition muss sich einschalten! Da seh‘ ich noch einen vor mir, dem muss (?) ich folgen. Oder ist das rechts der bessere Weg? Wo bin ich überhaupt? Dem Kreuzbuben, als Chefredakteur eines anderen bemerkenswerten Fanzine bekannt, gelingt dieser Spagat zwischen allen Richtungshinweisen und dem selbst auferlegten zusätzlichen Trainingsprogramm („…ich dreh‘ noch mal ’ne schnelle Runde…“) gepaart mit einer Kollektiventfernung, denkbar schlecht. Carodame, Kranzabzieher and myself sind nach zwei ausgiebigen Runden längst auf die Zielgerade eingebogen, da ist der Kreuzbube noch irgendwo in der konterminierten Pampa unterwegs. Funksprüche über das E- G- und andere Netze verfangen sich in den Radarstationen der Russen. Die haben sich wohl zwischen Gotzische und Seelhausener See eingegraben. Dann gibt es doch eine Verbindung! Kreuzbube im Anmarsch. Aber von wo? Wie lang wird es dauern? Carodame macht sich Sorgen. Der Vorsitzende und Kranzabzieher trösten und ordern den achtzigsten Bohnenkaffee an diesem Tag. Stunden, gefühlte Tage,  verrinnen. Plötzlich steht der Kreuzbube neben uns. Wir konstatieren: nie wieder ein Ausflug ohne elektronische Fußfesseln für den Kreuzbuben und: vor jeder künftigen Ausfahrt wird das Daypack der Carodame auf Vollständigkeit überprüft! Ohne Lipstick (passend zum Trikot!) geht da wohl gar nichts…

Ein paar Bilder, natürlich in ORWO-Color:

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5 Antworten zu …greif zur Feder, Kumpel!

  1. ritzelconnection schreibt:

    …ich muss mal nachsehen. Glaube aber eher nicht, dass ich so ’ne Nuß habe. Tretlager etc. lass ich immer bei meinem Leibschrauber machen… Tauche jetzt ohnehin in den Keller ab und will meinem Crosser neue Bremsschuhe spendieren…

  2. ritzelconnection schreibt:

    Exkurs: … nach einer Zwischenepisode in der Variante 48/34 bin ich aktuell mit 44/36 am Querrad sehr zufrieden. Auch wenn mir ’ne Schraube fehlt :mrgreen:

    Schraube

  3. C schreibt:

    Oh, danke Gerald, aber soweit ich weiß wartet hier schon 46er auf seinen Einbau.

  4. ritzelconnection schreibt:

    Also Butter bei die Fische: …hier liegt ein feines 48er Stronglight-Blatt 110 LK für Campa in Schwarz. Wenig gefahren. Das passt perfekt ans Getriebe der Carodame…

  5. justbiking schreibt:

    Sehr schön, mein geehrter Vorsitzender. Wären die Radfahrer nicht, die jene kontaminierte neu gestaltete Bergbaulandschaft, mit ihren farbenfrohen Rädern und Trikots aufgewertet haben, es wäre ein gar zu trister Anblick gewesen. Um so bedauerlicher, dass unser feminines BSG-Mitglied nicht mit nachgezeichneten Lippen aufwarten konnte. Wie konnte dass nur passieren???
    Da fällt mir doch sogleich ein, dass es längst überfällig ist, uns eine ordentliche BSG Satzung zu verordnen. Punkt X, den Dresscode betreffend: Weiblichen Mitfahrern ist es untersagt, ohne Lippenstift am Start zu erscheinen.

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