Logbuch, 31. August… zwischen Wuppertal und Wolkenstein

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Was passiert eigentlich, wenn sich zwei Freunde des kultivierten Pedals spontan auf eine Tour verabreden, zu der ein „Vorfahren“ mit der Deutschen Reichsbahn verabredet ist? Sie treffen sich zu nachtschlafender Stunde an einem Sonnabendfrüh um 8:00 Uhr in der 2013-06-29 08.48.10Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofes, traditionell bei „Blumen-Hanisch“ und lösen ein „Sachsenticket“. Beide haben ein schönes Ziel gewählt, hoch oben im Erzgebirge. Wolkenstein! Nun denn. Der Jüngere zückt am Kartenautomat seine Bahncard 25, lässt touchscreen-erfahren seine Finger über den Bildschirm wandern, zückt die EC-Card und produziert ein Sachsenticket. Der Ausdruck fällt in den Ausgabeschacht. Fertig. 10 Minuten später und vier Minuten vor Abfahrt des Regionalexpress nach Chemnitz sollte auf dem Sachsenticket noch die finale Signatur des Erwerbers eingetragen werden, damit alles seine Richtigkeit hat. Wir leben in einem durchregulierten Land und wollen nicht durch Nachlässigkeit auffallen. Aber: der hastig aus dem Ausgabeschacht des Automaten gegriffene Ausdruck war leider kein Sachsenticket, wie wir etwas später feststellten. Es war der Fahrplanausdruck eines unbescholtenen Mitbürgers, der erfahren wollte, wie er von Leipzig über Kassel nach Wuppertal kommt. Eingegeben um 7:02 Uhr! Unser Sachsenticket lag wohl auch im Ausgabeschacht, darunter (!) Der Zug setzt sich in bcda1_dts_image_1922_qkchfrnmcr_140_600_358.4Bewegung. Wir basteln an einer Erklärung für das zu erwartende Kontrollpersonal. Einziger „Beweis“ für die gute Absicht unserer tarifkonformen Bemühungen: die ebenfalls dem Automaten entsprungene Quittung über eine EC-Zahlung in Höhe von 25€ um 8:12 Uhr. Der Zug rollt aus dem Bahnhof in einen sonnigen Vormittag. Wir hoffen auf eine verständnisvolle Fahrkartenkontrolle. Die taucht dann auch gleich auf. Jung, blond, IMG_3830verbindlich. Die Anhörung beginnt. Ja, also wir haben da ein Sachsenticket produziert, aber offensichtlich, in Eile, einen Ausdruck aus dem Schacht gegriffen, der nur wertloses Papier darstellt…eben die ausgedruckte Zugverbindung von Leipzig über Kassel nach Wuppertal…allerdings schon im augenscheinlichen Format unseres Tickets…Die junge, blonde Zugbegleiterin lächelt milde und bot an, uns ein neues Sachsenticket zu verkaufen. Korrekt. Monty setzt alles auf eine Charme-Offensive und will in einem ausgeklügelten Was-Wäre-Wenn Dialog herauskitzeln, ob der Zahlungsbeweis (siehe EC-Card-Quittung!) vielleicht doch ReichsbahndenkmalBeweis unserer Rechtschaffenheit sein könnte? Kurzes Nachdenken der Zugbegleiterin. Na, ja – in meinem Zug (bis Chemnitz) soll Gnade vor Recht walten. Aber was sie im Anschlusszug erklären wollen, das ist dann Ihre Sache. Wir sind erst mal erleichtert! Nach dem Umstieg in die Erzgebirgsbahn in Chemnitz löst Monty, um jedem Stress zu entgehen, noch zwei Tageskarten nach Wolkenstein zu jeweils 6,50€. Wegen der „Korrektness“! Kontrolliert wird dieses Ticket leider nicht…Und weil der Einstieg in Berichterstattung so umfangreich ausfiel, darf der weitere Verlauf auf die wesentlichen Eindrücke dieses spätsommerlichen Parcours beschränkt werden: Es war einfach nur IMG_3826schön! Das Wetter perfekt. Zum Start ein großer Bohnenkaffee mit Quarktorte im „Café Burgblick“. Gegenüber die Felsenkulisse vom Schloß Wolkenstein. Dann ein sehr abwechslungsreiches up and down auf der das Flüsschen Zschopau begleitenden Straße. Immer wieder kurze Fotostopps. Wenn der Asphalt an Höhe gewann, boten sich herrliche Panoramen über das östliche und westliche Erzgebirge. In Frankenberg, dem Hungerast vorbeugend, ein Buffet bei einem empfehlenswerten Griechen und den dort servierten Dolmades. Eine Hackfleischfüllung die ihrem Namen Ehre machte! Der gastfreundlich und mehrfach gereichte Ouzo verdünnte unsere Cola… Später, nach weiteren perfekten Passagen durch’s Zschopau- und Muldental die klassische Destination „Eiscafé Kössern“mit dem  traditionellen Sägespänekuchen von Muttern und Bohnenkaffee Eis und Weizen. Schließlich die letzen vierzig Kilometer mit einem P-Stopp an den Eichen hinter Rohrbach. Ein letzter Verschnaufer, hingelümmelt im Gras, den Duft vom Stroh der abgeernteten Felder in der Nase und das Gefühl, dass der Sommer nun wohl in Rente geht…

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8 Antworten zu Logbuch, 31. August… zwischen Wuppertal und Wolkenstein

  1. ritzelconnection schreibt:

    @mzjens: Respekt, Respekt!! 255km am Stück…ich werde heute Mittag das fantastische Wetter nutzen und mal ins schöne Elstertal reiten…

  2. mzjens schreibt:

    Hausaufgaben gemacht…
    http://www.gpsies.com/map.do?fileId=oixygayhchjowyjo
    …wenn nur nich ständig diese Krämpfe gewesen wären. Ich glaub ich wär heute selbst für meine Mutter zu langsam gewesen. 😉
    Gruß

  3. Kantenwind schreibt:

    da werd ich neidisch! Wegen der verpassten Tour, dem geilen Wetter und überhaupt. Nächstes mal bin ich dabei!

  4. ritzelconnection schreibt:

    @Monty: wenn unsere neuen „Swisser“ fertig sind habe ich noch eine feine Querfeldeintour im Köcher. Natürlich verbunden mit dem Sachsenticket 😉

  5. montymind schreibt:

    ein großartiger tag! das frühe aufstehen wurde mehr als belohnt. herzlichen dank für die idee….gerne wieder!

  6. mzjens schreibt:

    Da war ich Sa. auch allerdings mit dem Motorrad.

    O Arzgebirg, wie bist du schie,
    mit deine Wälder, ihr Wiesen, Barg on Tol,
    in Winter weiß, in Sommer grü.
    O Arzgebirg, wie bist du schie!

    Mehr kann man dazu nicht sagen!

    Gruß

  7. ritzelconnection schreibt:

    …ja und die Deutsche Bahn zeigte an diesem Tag, dass es auch anders geht 😉 Wirklich kulant…

  8. Constanze schreibt:

    Ende gut-alles gut!! 🙂

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