Logbuch 3./4. Okt.: Der „Glück Auf Giro 2014“ !!

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Da lag seit einigen Monden ein perfektes Drehbuch in Rotorellos Schublade: Die Querung des Erzgebirges von West nach Ost in zwei Tagen…Der Glück Auf Giro! Einst ersonnen, um dem Alterspräsidenten der Blogsportgruppe anlässlich seiner vollendeten Dekade Nr. 6 ein besonderes Geschenk zu machen! Nun, nachdem ein geeigneter Termin gefunden, bestes Wetter bestellt und eine auserlesene Crew gecastet war, ging es an die Umsetzung.

Mit allerlei Requisiten beladen trafen sich die Protagonisten: Rotorello, Hans, Monty, Posi & myself in aller Herrgotts frühe am Connewitzer DB-Haltepunkt. Ab 06:50 ging es dann beschleunigt nach Zwickau. An den Waggons huschte der aufbrechende Tag vorbei, die Sonne quälte sich glutrot durch den Nebel über den abgeernteten Feldern. Rotorello verteilte das Textblatt für’s „Steigerlied“… Zwischen Gößnitz und Crimmitschau sang das Quintett erst mal alle Strophen runter und machte sich so mit der spröden Melancholie des Steigerlebens vertraut. Lichtlein waren am Rad, Schlegel und Eisen hatten wir gegen Ritzelpakete, Ketten und grobstollige Reifen getauscht.

In Zwickau umsteigen in die Vogtlandbahn, aussteigen in Schöneck am Wander- und Loipenhaus. Nach einem kurzen Blinzeln in die strahlende Morgensonne kamen die ersten Kilometer Richtung Klingenthal unter die Reifen. Schussfahrt! Und weil der letzte Kaffe schon fast drei Stunden zurücklag, sollte unten angekommen, ein zweites Frühstück her. Doch der Wunsch nach einem kleinen veträumten Café am Markt, mit Rührei, Schinken und Croissants blieb uns verwehrt und wurde getauscht gegen die schnöde Realität im Imbissbereich einer Tankstelle, bei Butterbrötchen und dem dazugehörigen Pott Automatenkaffee. Dann ging es zum ersten mal in den Berg! Gleich ordentlich 12-13% bis hoch auf den Grenzkamm. Von Grenze ist ja nicht mehr viel zu merken, außer dass die Ortsschilder nun blau weiß strahlen und die Ausschilderung der Strecke auf tschechischem Gebiet famos einfach und zudem effektiver ist, als bei den peniblen deutschen Nachbarn, die sich in ihrem System der Haupt- und Unterwegweisung verheddern.

Der Tscheche hingegen sagt sich: hier ist eine Route mit der Nummer 23 und lässt diese Nummer immer wieder am Wegrand erscheinen. Verfahren ist da fast unmöglich! Trotzdem zückte unser Chor- und Reiseleiter immer mal wieder ein Stückchen analoges Kartenmaterial aus der Reisebox und schickte uns im Ergebnis über den einen oder anderen hübschen „Hügel“, durch dichte Wälder und über sonnige Hochebenen. Die Aussichten ins weite Land erreichten auf der Richterskala der Emotionen den beängstigenden Wert 11 von 12 !!

Das erste Catering im Restaurace „U Medveda“ in Horny Blatna am Kilometer 40 verhieß Palatschinken, Espresso und Pivo, bevor in Demut der zweite Stich in Angriff genommen wurde. Da fehlte schon etwas Luft für’s Steigerlied…Doch in der Ferne schimmerte bereits kammtour071der Gipfel des Klinovec, der höchste Punkt des Glück Auf Giro mit 1244Hm! Später, in der Abfahrt, ein majestätischer Blick auf den benachbarten Fichtelberg! So ging es weiter bergan und bergab und hernach hinter Kovarska durch einen dichten Forst in Richtung Grenze. Die Spätnachmittagsonne im Rücken erreichten wir Jöstadt und damit 12

Kilometer vor dem Tagesziel das Eiscafé Bartsch, hoch oben auf dem Markt. Kaffee (eine Auswahl aus etwa 20 Sorten war möglich), Kuchen und final ein Schluck Heidelbeergeist zur Erweckung von Körper und Sinnen krönte die letzte kurze Rast vor dem Erreichen der „Rauschenbachmühle“. Rotorello hatte in kluger Voraussicht dort im Naturfreundehaus eine Übernachtung organisiert und die Prinzipalin, Frau Oelmann ließ  per Telefon wissen, dass sie auf ein pünktliches Eintreffen zählt. Schlag 18:30 Uhr standen NFH Rauschenbachmühlewir dann, wie vereinbart, vor der Tür. Hinter der Tür: eine warme Dusche, Linsensuppe (!), regionales Bier, grüner Kräuter (nee, kein Tee!!) und später ein frisch bezogenes Bett. Radlerherz, was will es mehr?? Ach ja, in der Wohnküche wurde noch etwas gefeiert und eine rege Konversation mit anderen Herbergsbewohnern gepflegt… Schließlich gingen im Mehrbettzimmer die Lichter aus und das Gebot des Schweigens umhüllt den Rest der Nacht. kammtour100

Acht Uhr trafen sich alle wieder am großen runden Tisch zu einem oppulenten Frühstück. Kurz nach Neun: Aufstellung zum Gruppenbild vor der Mühle. Händeschütteln, Dankeschön! Und wieder ging es in den Berg. Auf dieser zweiten Etappe allerdings etwas heftiger als am Vortag! Hinzu kam, dass sich der Nebel als ein ziemlich zäher und nässender Geselle gab. Regenjacken, Über- und Fingerhandschuhe wurden aus den Kammtour-Hans067Untiefen der Rucksäcke genestelt und immer öfter richtete sich nun der Blick gen Himmel, gepaart mit Gesten, die jedem Schamanenlehrbuch zur Ehre gereicht hätten. Am Wegekreuz Rudolický Rybnik verschwenkt die bis dahin perfekte Stimmung in leicht sarkastische Richtung. Der Alterspräsident kam mit dem Vorschlag „…lasst uns über’n Buff (ein imaginärer Berg von bisher unbekanntem Ausmaß) rüber nach Dresden machen“, und provozierte so ein grundsätzliches Nachdenken über den weiteren Verlauf des Giro. Aber die bisherige Gruppenharmonie und die Vertrautheit in Rotorellos Bergführerqualitäten ließen diese Provokation in’s Nichts laufen. Es wird Kurs gehalten und der nächste, raue, Anstieg genommen. Zwischen den Tannenwipfeln bricht dann doch, erst zaghaft und dann mit voller Kraft die Sonne durch! Vorbei das Bibbern. Nach der nächsten halsbrecherischen, noch dazu bemoosten, Abfahrt (Posi meint, unten angekommen: jetzt haben wir in 10 Minuten 300 Höhenmeter „vernichtet“) stehen wir am Ortseingang von kammtour126Brandov in gleißender Sonne. Die Finger schmerzen noch vom Bremsen, aber der Kopf ist wieder frei und die Endorphine pushen die Stimmung. Es wird abgeklatscht, als hätten wir eben eine schwierige Marsmission hinter uns gebracht. Alles gut. Weiter nach Hora Svaté Kateřiny (Katherinenberg). Am Ortseingang steht einsam ein Eisenbahnwaggon aus grauer Vorzeit umfunktioniert zum „Krušnohorský Express“-quasi ein Speisewagen! Wir kammtour135ordern Kaffee (türkisch) und eine sehr schmackhafte, pikant scharfe Knoblauchsuppe und probieren final auch noch das Pivo „BERNARD“ (der halbe Liter 0,40€). Innerlich ordentlich aufgewärmt geht es wieder an die „Arbeit“…was dann folgte war ein Stich, den man schneller hochgelaufen als gefahren ist – die Knoblauchsuppe hämmerte gefühlt an den Schläfen und hätte gern den Asphalt gesehen…Natürlich stand am Ende der Schinderei ein Kirchlein am Rand des Dorfplatz-Plateaus (belgische Halluzinationen tauchen auf…). Schnell weg hier! Es folgen ein paar wenige Kilometer feinster

Crossparcours abfallend bis Nová Ves Horách, wo sich das Quintett im Fokus eines quasi kammtour152„konvexen Parabolspiegels“ wieder zum Gruppenbild einfindet und nun euphorisch die letzten Kilometer hoch und runter nach Deutscheinsiedel abspult. Grenzpassage. Die gigantische Abfahrt in die Nußknackerstadt Neuhausen fordert noch einmal volle Konzentration! Dort ist alles Nussknacker und die weltgrößte Spieluhr steht wohl auch da. Aber diese Mainstream-Destinationen sollte besser Familienausflügen vorbehalten sein. Wir streben weiter. Passieren die Talsperre Rauschenbach und „hämmern“ hinter dem kammtour163gewaltigen Staubecken eine endlose Steigung hoch. Oben angekommen ein verführerischer Wegweiser: „Bienenmühle-Rechenberg 3km“! Der Alterspräsident gibt extremen Körnerverlust zu Protokoll und stellt anheim, die letzen 23 km bis Altenberg auf die 3 km bis Bienenmühle zu reduzieren. Dem wurde ohne großes Murren stattgegeben. Auch die Kornkammern der jüngeren Protagonisten schienen mir deutlich geplündert. Wir schießen also runter nach Bienenmühle-Rechenberg, rekognoszieren die mögliche Heimfahrt per Bahn und besetzen im „Wirtshaus am Trostgrund“ einen Tisch! Es bleiben zwei entspannende Stunden bis zur Abfahrt mit der Vogtlandbahn, 150m vom Gasthof entfernt. Ein letztes mal werden durchgeschwitzte gegen trockene warme Klamotten Trostgrundgetauscht, es wird Pflaumenkuchen bestellt und eine hausgemachte Sülze verdrückt. Dazu Kaffe, regionales Rechenberger Pils und (aus Tradition) wird ein regionaler Kräuter aus Frauenstein geordert. Die FF-Fanfare brüllt aus dem Handylautsprecher, der BSG-Kader steht stramm, es werden verschiedene Toasts ausgebracht. Alle sind sich einig: Das war einfach großartig! Zwei Männertage ohne Frage! Rotorello, in seiner Mehrfachfunktion als le guide, Streckentrüffelschwein und Chorleiter galt das kollektive Lob! Geordneter Rückzug mit dem MDV-Ticket über Freiberg und Chemnitz nach Leipzig. Alles richtig gemacht!!  Alle Pictures von unterwegs gibts hier!

Rechenberg Haltepunkt

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