Logbuch, 7. August: Geschichten aus der Murkelei – Tannenfeld, Klinik für Gemütskrankheiten –

Tannenfeld16

Liegehalle im Schlosspark Tannenfeld

Schon mal was von Rudolf Ditzen (1893-1947) gehört? Ein Alkoholiker, Morphinist und Kartoffelpflanzensachverständiger, der später unter dem Pseudonym Hans Fallada etliche Romane, Geschichten, Märchen (u.a. „Geschichten aus der Murkelei – das haben ja alle in Kindertagen gelesen…) und etliches an Unterhaltungsliteratur zu Wege brachte. 1911 beschliesst Rudolf Ditzen gerade Gymnasiast am Gymnasium Fridericianum in Rudolstadt mit seinem Kumpel Hanns Dietrich von Necker einen als Duell getarnten Doppelsuizid zu begehen. Beim Schusswechsel stirbt Necker, Ditzen überlebt schwer verletzt, wird wegen Totschlags angeklagt und in die Klinik für Gemütskrankheiten in Tannenfeld eingeliefert. Alles sehr schön in einem Spiegel-Artikel von 1963 nachzulesen. Über jene Klinik Tannenfeld hörte ich kürzlich beim Morgenkaffee im Frisör-Radio. Und da war ganz schnell der Plan gefasst, dort mal hinzuradeln. Fix gegoogelt und festgestellt, dass es von Connewitz dorthin gerade mal 60+km sind. Die Strecke ist kurzweilig, führt über Ramsdorf ins Thüringische durch Rositz, Unterlödla, Gödern, Romschütz, Wildenbörten, Großstechau und Löbichau nach Tannenfeld. Aber

Achtung: der Schlosspark samt klassizistischem Schlösschen und den vor sich hin verfallenden Klinikgebäuden wird gut versteckt – keinerlei direkte Ausschilderung! Dafür sind die Hinweise zum Landgasthof Löbichau recht zahlreich. Dem widmete ich mich dann auch ausgiebig, nachdem ich das verwunschene Klinikgelände mit der Kamera rekognosziert hatte. Hernach fiel es mir – auch angesichts der hochsommerlichen Temperaturen – schwer, den ganzen Heimweg zu pedalieren. Aber die 12km vom Landgasthof bis Schmölln, wo am zeitigen Abend ein Zug nach Connewitz via Altenburg verkehrt, habe ich dennoch geschafft. Und auf dem lauschigen Sprottetalradweg wurden Speis und Trank wenigstens ansatzweise verstoffwechselt. Insgesamt wieder eine kulturell wertvolle Ausfahrt. In einem Mai der nächsten Jahre muss ich dort unbedingt noch einmal hinradeln, denn der Schlosspark steht herrlich voller großer Rhododendronbüsche. Sicher eine Farbenpracht. Dafür gibts hier den größeren Teil der Ansichten “nur“ in schwarz/weiß.

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